Infektionskrankheiten sind leider keine Seltenheit

Entwarnung vor Erregern? Leider noch zu früh

Einige Krankheiten – wie Diphtherie oder Masern – gelten vielfach schon als ausgerottet, sodass Eltern keine Gefahr mehr in ihnen sehen. Aber das ist Wunschdenken, wie die Statistik beweist.

In Deutschland gab es zwischen 1991 und 1997 dreißig Fälle von Diphtherie (größtenteils aus dem Ausland eingeschleppt), von denen drei tödlich endeten. Im Jahr 1999 wurden ein Fall und 2002 drei Fälle einer Diphtherie-Infektion in Deutschland bekannt.

Nach wie vor ereignen sich jedes Jahr in Deutschland größere Masern-Ausbrüche – wie im Februar/März 2002 die Masern-Epidemie im Coburger Raum mit über tausend erkrankten Kindern. In einigen Regionen in Hessen und Oberbayern kam es 2005 zu Masern-Ausbrüchen mit jeweils über zweihundert Masern-Fällen. Die überwiegende Anzahl der in Hessen und Oberbayern an Masern erkrankten Personen war ungeimpft (96–97 %). 2006 erkrankten in Nordrhein-Westfalen ca. 1.400 Personen an Masern.

Wenn Krankheiten verschwinden sollen, müssen Sie mithelfen!

In ihrem Programm „Gesundheit für alle“ hat die WHO schon vor Jahren gefordert, Kinderlähmung, Diphtherie, Masern, Mumps und Röteln in Europa endgültig auszurotten. Erreicht ist dieses Ziel nur für die Kinderlähmung (seit Ende Juni 2002 ist Europa frei von Kinderlähmung). Da Schutzimpfungen in vielen Ländern – auch in Deutschland – freiwillig sind, verbleiben so große Impflücken, dass sich die Erreger nach wie vor verbreiten können.

Deshalb kommt es auf Ihre Initiative an: Nur konsequentes Impfen aller Kinder kann bewirken, dass ein Krankheitserreger oder zumindest die von ihm verursachte Erkrankung auf lange Sicht von der Landkarte verschwindet. Impfungen sind demnach nicht nur für den Schutz Ihres eigenen Kindes wichtig, sondern für die Gesundheit aller Menschen.


Wissenswertes rund ums Thema Impfen
So schützen Impfungen vor Infektionen

Eine Impfung ist so etwas wie Training für das Immunsystem: Der Körper „lernt“, welche Erreger ihm drohen, und macht sich fit für einen möglichen Angriff. Dazu werden ihm mit dem Impfstoff Bestandteile des Erregers oder abgetötete bzw. abgeschwächte Krankheitserreger zugeführt. Das Immunsystem produziert nun gezielt Abwehrstoffe, Antikörper, ohne dabei die Krankheit zu durchleiden. Danach kann uns der echte Erreger nichts mehr anhaben – wir sind immun. Je nach Art des Impfstoffes besteht dieser Schutz über Jahre, bei manchen Impfstoffen vielleicht sogar das ganze Leben lang.

Grundimmunisierung
Am Anfang: Grundstein legen

Bei der Erstimpfung kommt das Immunsystem in Kontakt mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern, manchmal sind es auch nur einzelne Bestandteile von Viren und Bakterien, die verabreicht werden. Teilweise – gerade bei einer Impfung mit abgetöteten Erregern bzw. deren Bestandteilen, so genannten Totimpfstoffen – reicht eine Impfung allein aber nicht aus.

Um dem Körper eine ausreichende Grundimmunisierung zu geben, müssen in bestimmten Zeitabständen mehrere Impfungen hintereinander erfolgen. Dadurch lernt das Immunsystem, sich an den Erreger zu erinnern und genügend Abwehrkörper (Antikörper) zu bilden.

Auffrischung – wenn die Erinnerung nachlässt

Im Laufe der Zeit, wenn das Immunsystem lange nicht mehr mit Erregern in Kontakt gekommen ist, lässt auch die Erinnerung nach und die Abwehr wird schwächer. Wenn jetzt ein Virus oder Bakterium in den Körper eindringt, kann das Immunsystem diese Erreger nicht schnell oder wirksam genug bekämpfen. Im ungünstigsten Fall erkrankt der Mensch. Eine Auffrischimpfung dient der Auffrischung der Erinnerung und dem erneuten Aufbau eines zuverlässigen Immunschutzes.

Das Wichtigste: Konsequent bleiben

Schutzimpfungen dämmen die Verbreitung von Krankheitserregern so erfolgreich ein, dass die betreffende Krankheit irgendwann fast gänzlich verschwinden kann. Die Ausrottung der Kinderlähmung in Europa (WHO-Zertifi kat Juni 2002) ist ein ganz aktuelles Beispiel für die konsequente Umsetzung einer Impfung aller Kinder. Diese Impfbereitschaft aber muss aufrechterhalten werden, damit nicht wieder ein Infektionsrisiko entsteht. Lässt die Impfbereitschaft aber nach, kann sich der Erreger wieder ausbreiten – und die Krankheit wird schnell wieder zur Gefahr. Wirkliche Entwarnung ist erst möglich, wenn z. B. jährlich mehr als 95 % aller Kinder erfolgreich gegen Masern geimpft werden.

Wer hat das Sagen bei Impfempfehlungen?

Dieses Gremium besteht aus 17 Experten – unter anderem Kinderärzten, Wissenschaftlern, Vertretern der Gesundheitsbehörden und Krankenkassen. Zweimal jährlich besprechen sie sich, ob die geltenden Impfempfehlungen noch sinnvoll sind. Die STIKO-Empfehlungen spiegeln immer den neuesten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse wider.

In jedem Fall sollten Sie sich vor einer geplanten Impfung Ihres Kindes über deren Bedeutung informieren. Dazu haben wir diese Broschüre zusammengestellt. Alle offenen Fragen, die Sie darüber hinaus noch haben, wird Ihnen Ihr Arzt gerne beantworten.

Impflexikon

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Wenn sie einen hier und im folgenden verwendeten Fachausdruck nicht kennen oder mehr darüber wissen möchten: Antworten finden sie im "Kleinen Impflexikon", welches die wichtigsten Begriffe erläutert.