Windpocken- eine ernst zu nehmende Krankheit

Was ist das?

Windpocken sind eine weltweit verbreitete, hoch ansteckende Krankheit, verursacht durch das Varicella-Zoster-Virus. In vielen Fällen verlaufen sie glimpflich, nicht selten stellen sie jedoch ein hohes Risiko dar: Wie bei Röteln drohen ungeborenen Kindern bei Erkrankung der Mutter während der Schwangerschaft schwere Fehlbildungen.

Schwere Windpocken-Erkrankungen lassen sich nicht immer mit Medikamenten erfolgreich behandeln. Tragischerweise sind jedes Jahr sogar in Deutschland Todesfälle durch Windpocken zu beklagen. Den bestmöglichen Schutz bietet nur die rechtzeitige Impfung.

Wie groß ist das Risiko für diese Erkrankung?

Windpocken sind weltweit verbreitet und hoch ansteckend. Man kann sich an ihnen buchstäblich „wie durch den Wind“ anstecken – daher haben sie Ihren Namen. Schon ein gemeinsamer Aufenthalt in einem Zimmer zusammen mit einem Infizierten kann ausreichen.

Das Problem besteht darin, dass praktisch jeder Mensch sich im Laufe seines Lebens mit Windpocken infiziert. Niemand kann allerdings vorhersagen, wer die potenziell schweren Komplikationen erleiden wird. Entgegen weit verbreiteter Meinung sind es im Wesentlichen ansonsten gesunde Personen, die von der Mehrzahl der  Komplikationen betroffen sind.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Windpocken-Viren (Varicella-Zoster-Viren) werden durch direkten Kontakt mit den Hauterscheinungen oder auch über die Atemluft übertragen. Zwischen der  Ansteckung und den ersten Krankheitszeichen vergehen in der Regel 14 bis 16 Tage.

Die Erkrankung beginnt mit einem Hautausschlag, der meist von Fieber begleitet ist: Kleine, einzeln stehende rote Flecken wandeln sich rasch in etwa linsengroße Bläschen, die sich eintrüben und nach einigen Tagen verschorfen und abheilen. Typisch ist, dass verschiedene Stadien des Hautausschlages (Flecken, Bläschen, Pusteln, Krusten) gleichzeitig nebeneinander bestehen, sowie ein starker Juckreiz.

Normalerweise verläuft die Krankheit gutartig und ist nach 1 bis 2 Wochen überstanden. Ansteckend sind die Windpocken bereits 1 bis 2 Tage vor dem Auftreten des Ausschlags. Die Ansteckungsfähigkeit der Windpocken erlischt etwa mit dem 5. Tag nach Auftreten der letzten frischen Hauterscheinungen.

Die Windpocken hinterlassen eine sehr lang anhaltende, wenn nicht gar lebenslange Immunität.

Nach überstandener Krankheit verbleiben die Windpocken-Viren in Nervenzellen des Körpers. Jahre später – besonders im höheren Lebensalter und bei Personen mit geschwächter Immunabwehr – kann durch Wiederaufflammen der Infektion eine Gürtelrose (Herpes zoster) entstehen. Zoster kann von starken Nervenschmerzen begleitet sein, die zum Teil monatelang anhalten. Erwachsene mit Gürtelrose können Windpocken-Viren auch auf Ungeschützte übertragen.

Komplikationen der Erkrankung

Am höchsten ist das Komplikationsrisiko bei Erkrankung im 1. und nach dem 16. Lebensjahr. In 1 von 4.000 Windpocken-Fällen kommt es zu einer Entzündung des Kleinhirns mit der Folge von Gleichgewichtsstörungen. Die Heilungsaussicht ist gut.

Eine Entzündung des Großhirns tritt bei 1 bis 2 pro 10.000 erkrankten Kindern auf, hat jedoch eine schlechte Heilungsaussicht. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen, dass Komplikationen durch Windpocken in der Mehrzahl bei ansonsten gesunden Kindern im Haupterkrankungsalter zwischen 1 und 6 Jahren auftreten.

Schwere, teilweise lebensbedrohliche Verläufe können bei Kindern mit Abwehrschwäche auftreten (z. B. unter Chemotherapie). Auch Patienten mit schwerer Neurodermitis sind durch bakterielle Superinfektionen besonders gefährdet. Gefährlich sind Windpocken-Infektionen auch während der Schwangerschaft: Eine Erkrankung in den ersten 5 Monaten (8. bis zur 21. Schwangerschaftswoche) kann schwere Fehlbildungen des Kindes verursachen. Erkrankt die Mutter um den Geburtstermin herum, führt dies oft zu schweren Krankheitsverläufen beim Neugeborenen; viele Kinder sterben daran. Für Frühgeborene ist eine Erkrankung in den ersten 6 Lebenswochen ebenfalls sehr bedrohlich.

Eine zwar sehr seltene, aber äußerst gefürchtete Komplikation einer Windpocken- Erkrankung ist der Schlaganfall. Bei diesen Kindern kommt es im Zusammenhang mit der Windpocken-Infektion zu einer Entzündung der Blutgefäße des Gehirns mit der Folge eines Schlaganfalles. Es treten immer wieder durch Windpocken ausgelöste Todesfälle auf.

Nach durchgemachter Windpocken-Erkrankung kann beim Nachlassen des Immunschutzes, z. B. im höheren Alter, eine Gürtelrose (Herpes zoster) auftreten. Hierbei leidet der Betroffene unter einseitig, streifenförmig angeordneten Bläschengruppen, die oftmals von lang anhaltenden Nervenschmerzen begleitet werden.

Welchen Schutz gibt es?

Kindern und Erwachsenen, die noch keine Windpocken durchgemacht haben, kann eine vorbeugende Impfung in hohem Maße Schutz bieten. Geimpft werden können gesunde Kinder ab 9 Monaten. Empfohlen ist die Varizellenimpfung außerdem für alle Personen, für die eine Windpocken-Infektion ein besonderes Gesundheitsrisiko darstellt.

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

Häufig (d. h. bei 10 bis 20 % der Impflinge) kann es zu vorübergehender leichter Rötung, Schwellung und Schmerz an der Injektionsstelle und leichter bis moderater Temperaturerhöhung kommen. Gelegentlich kann es 1-4 Wochen nach der Impfung zu Symptomen einer leichten „Impfkrankheit“ (Fieber mit einem schwachen Hautausschlag) kommen. Bei der Impfung von immungeschwächten Personen treten die beschriebenen Reaktionen deutlich häufiger auf, sodass die Impfung bei diesen Personen nicht angezeigt ist.

Allergische Reaktionen sind sehr selten. Es wurde über Einzelfälle von allergischer Sofortreaktion, Gürtelrose oder Lungenentzündung bei gesunden und immungeschwächten Impflingen in der Literatur berichtet sowie über eine Übertragung der Impfkrankheit mit Ausschlag von einer geimpften auf eine zumeist immungeschwächte Kontaktperson. Bei einer Allergie gegen Neomycin (Antibiotikum) sollte nicht geimpft werden. Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn Sie Fragen zu Nebenwirkungen der Impfstoffe haben. Eine Übersicht über beobachtete Nebenwirkungen und deren Häufigkeit finden Sie in der Gebrauchsinformation der jeweiligen Impfstoffe.

Weitere Informationen zur Stiko-Impfempfehlung

Auf einen Blick :

Windpocken (Varizellen)

Erreger: Varizella-Zoster-Virus.

Übertragungsweg: Tröpfcheninfektion über die Atemwege.

Inkubationszeit: 14-16 (10-21) Tage.

Immunität nach Erkrankung: Sehr lang, im Alter jedoch nachlassend; dann kann unter Umständen eine Gürtelrose auftreten (Herpes zoster).

Häufigkeit und Verbreitung: Weltweites Vorkommen.