Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Was ist das?

Poliomyelitis ist eine Viruserkrankung. Die Übertragung der Viren erfolgt durch Schmierinfektionen bzw. fäkal-oral durch verunreinigtes Trinkwasser oder Lebensmittel. Auch eine Tröpfcheninfektion über die Atemwege ist möglich, kommt aber selten vor. Es gibt drei verschiedene Typen des Polio-Virus, die Kinderlähmung auslösen können: Typ I, Typ II und Typ III. Die Erreger vermehren sich im Nasen-Rachen-Raum und im Darm. Ein Teil der Erreger gelangt in das zentrale Nervensystem und führt zum Ausbruch der Erkrankung.

Wie groß ist das Risiko für diese Erkrankung?

Seit Einführung der Schluckimpfung 1961/1962 ist die Kinderlähmung in Europa fast vollständig zurückgedrängt worden und seit Juni 2002 gilt Europa als poliofrei. Trotzdem dürfen wir uns nicht in Sicherheit wiegen. In den letzten Jahren ist die Krankheit immer wieder aufgeflackert: 1992/93 z. B. in den Niederlanden, 1996 in verschiedenen Regionen Osteuropas, in Albanien, dem ehemaligen Jugoslawien, in der Türkei, in Griechenland und in Ländern der ehemaligen UdSSR. 2005 gab es auch viele Fälle auf dem afrikanischen Kontinent und in einigen Ländern Asiens.

Aus diesem Grund ist die konsequente Impfung aller Kinder gegen Poliomyelitis wichtig und notwendig. Auch Erwachsene sollten vor Reisen in Gebiete, in denen die Poliomyelitis noch häufig vorkommt, an eine Auffrischimpfung denken. Sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

Wie äußert sich die Erkrankung?

90 % der Infektionen verlaufen erscheinungsfrei. Bei 4-8 % der Erkrankten ähnelt der Verlauf einer schweren Grippe: Die Betroffenen leiden an Fieber, Kopf- und Halsschmerzen, Krankheitsgefühl, Erbrechen und Durchfall.

Komplikationen der Erkrankung

Bei bis zu 5 % dieser Patienten kommt es anschließend zu schlaffen Lähmungen und Schädigungen des zentralen Nervensystems, gegen die es keine Behandlungsmöglichkeit gibt. Wenn auch das Zwerchfell betroffen ist, versagt die Atmung und der Betroffene muss künstlich beatmet werden. Bei bis zu 10 % der Krankheitsfälle tritt eine Atemlähmung mit Todesfolge ein. Es kann lediglich versucht werden, die Symptome der Erkrankung zu lindern, die Erkrankung an sich ist nicht behandelbar.

Welchen Schutz gibt es?

Nur die Impfung kann zuverlässigen Schutz vor allen drei Virustypen der Poliomyelitis bieten. Dazu enthält der Kombinationsimpfstoff die öffentlich empfohlene, inaktivierte Polio-Komponente (IPV). Die Impfung kann vor dem Ausbruch der Erkrankung, schützen nicht jedoch davor, sich symptomlos mit Polio-Viren anzustecken und diese unbemerkt zu verbreiten. Deshalb ist es so wichtig, dass möglichst alle Menschen gegen Polio geimpft sind.

Weitere Informationen zur Stiko-Impfempfehlung

Auf einen Blick :

Poliomyelitis (Kinderlähmung)

Erreger: Drei verschiedene Typen (Typ I, Typ II, Typ III).

Übertragungsweg: Über verunreinigte Lebensmittel, Trinkwasser oder (selten) als Tröpfcheninfektion über die Atemwege. Ansteckungsfähigkeit auch bei klinisch Gesunden: mehrere Monate.

Inkubationszeit: 5-14 Tage.

Immunität nach Erkrankung: Lebenslang, aber nur gegen den jeweils verantwortlichen Typ.

Häufigkeit und Verbreitung: Europa ist dank der konsequenten
Impfung poliofrei.

Ein erhöhtes Risiko besteht bei Reisen in Endemiegebiete wie
Nigeria, Afghanistan und Pakistan.

Ärztliche Meldepflicht: Ja.