Meningokokken-Erkrankung

Was ist das?

Meningokokken sind Bakterien mit einer Kapsel (Polysaccharid-Kapsel), die lebensbedrohliche Erkrankungen, wie eitrige Hirnhautentzündung (Meningitis) und Blutvergiftung (Sepsis) hervorrufen können, aber auch Lungenentzündung (Pneumonie) und Infektionen anderer Organe. Übertragen wird der Erreger durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch. Bei Erkrankung muss eine Behandlung mit Antibiotika erfolgen. Neben unkomplizierten Verläufen gibt es dramatische Verläufe, die trotz intensivmedizinischer Behandlung innerhalb weniger Stunden zum Tode führen. 10 % der Patienten mit einer invasiven Meningokokken-Infektion versterben daran.

Hauptsächlich erkranken Kinder zwischen 6 und 12 Monaten (40-50 % aller Erkrankungen) bzw. im 2.-4. Lebensjahr, ein zweiter Erkrankungsgipfel tritt im Jugendlichenalter auf.

Wie groß ist das Risiko für diese Erkrankung?

In Deutschland erkranken jährlich etwa 500 bis 600 Menschen. In Europa sind ca. 10 % der Personen asymptomatische Träger, das bedeutet, dass sie den Keim im Nasen-Rachen-Raum tragen, ohne selbst zu erkranken.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Das Spektrum reicht von symptomfreien Verläufen bis zu schweren lebensgefährlichen Krankheitsverläufen bei Meningitis (Hirnhautentzündung) und Sepsis (Blutvergiftung) mit einer hohen Sterblichkeitsrate oder Defektheilung mit Spätschäden wie geistiger Behinderung.

Erste Krankheitszeichen sind plötzliches starkes Krankheitsgefühl mit hohem Fieber, Erbrechen sowie eventuell Bewusstseinsstörungen, Nackensteifigkeit und Hautblutungen. Bei Säuglingen auch Nahrungsverweigerung, Berührungsempfindlichkeit und Unruhe oder Teilnahmslosigkeit. In manchen Fällen geht dem eigentlichen Krankheitsgeschehen auch ein banaler Infekt, wie eine Erkältung, voraus.

Komplikationen der Erkrankung

Besonders gefürchtet ist das so genannte „Waterhouse-Friderichsen-Syndrom“, bei dem die Sterblichkeit bei 50-70 % liegt. Es handelt sich hier um die schwerste Form der Meningokokken-Erkrankung mit Hautnekrosen, Verbrauchskoagulopathie und Multiorganversagen, die nicht selten trotz intensivmedizinischer Therapie innerhalb weniger Stunden zum Tode führt.

Infolge einer Meningokokken-Meningitis können Spätschäden wie z. B. Hydrocephalus (Wasserkopf), Krampfanfälle, Hörschäden, Entwicklungsrückstände und – nach Waterhouse-Friderichsen-Syndrom – Hautschäden sowie der Verlust von Gliedmaßen auftreten.

Welchen Schutz gibt es?

Es gibt verschiedene Impfstoffe, die gegen unterschiedliche Meningokokken- Serogruppen gerichtet sind. Gegen Serogruppe B, die die meisten Infektionen verursacht, gibt es noch keine Impfung. Verschiedene so genannte Polysaccharid-Impfstoffe sind auf dem Markt. Sie wirken allerdings erst bei Personen ab zwei Jahren.

Es gibt seit einigen Jahren so genannte Konjugatimpfstoffe, die sowohl für Kinder als auch für Erwachsene geeignet sind. Sie sind gegen Typ C gerichtet und bewirken einen sehr guten, lang anhaltenden Schutz. Weiter gibt es Konjugatimpfstoffe, die gegen 4 verschiedene Typen gerichtet sind (A, C, W135, Y).

Seit kurzem ist auch ein Meningokokken-Konjugatimpfstoff gegen A, C, W135 und Y verfügbar, der mit einer Dosis bereits bei Kleinkindern eingesetzt werden kann. Er ist der erste Vierfachimpfstoff in Europa, der zur aktiven Immunisierung schon ab dem vollendeten zwölften Lebensmonat zugelassen ist. Dieser Impfstoff deckt somit ein breiteres Keimspektrum ab als die bisherigen für Kleinkinder zugelassenen monovalenten Meningokokken-C-Konjugatimpfstoffe.

Generell lässt sich den Bakterien nicht „aus dem Weg gehen“. Treten Meningokokken-Fälle auf, werden Kontaktpersonen vorsorglich mit Antibiotika behandelt. Treten regional gehäuft Fälle auf, können die Gesundheitsämter eine Impfprophylaxe empfehlen.

Mögliche Nebenwirkungen der Impfung

Rötung, Schwellung und Druckschmerz an der Impfstelle können auftreten. Selten sind die Lokalreaktionen stärker und stören die Bewegung. Es können auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Reizbarkeit, Schläfrigkeit, unruhiger Schlaf oder Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Bitte wenden Sie sich an Ihren Arzt, wenn Sie Fragen zu Nebenwirkungen der Impfstoffe haben. Eine Übersicht über beobachtete Nebenwirkungen und deren Häufigkeit finden Sie in der Gebrauchsinformation der jeweiligen Impfstoffe.

Weitere Informationen zur Stiko-Impfempfehlung

Auf einen Blick :

Meningokokken-Infektion

Erreger: Neisseria meningitidis (Bakterium).

Übertragungsweg: Tröpfcheninfektion, enger Kontakt.

Inkubationszeit: 1-10 Tage (meist weniger als 4 Tage).

Häufigkeit und Verbreitung: Weltweites Vorkommen.

Ärztliche Meldepflicht: Erkrankung und Erkrankungsverdacht.