Notfallversorgung der Kinder durch Unterfinanzierung in Gefahr !

Notfallversorgung von Kindern und Jugendlichen in NRW durch Kinder- und Jugendärzte wegen drastischer Honorarsenkung in Gefahr

18.05.2015

Die nordrhein-westfälischen Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte in Praxen und Kliniken fordern gemeinsam eine kostendeckende Vergütung und bessere Versorgungsstrukturen für ambulante pädiatrische Notfallpatienten. Dies machten heute in Düsseldorf die BVKJ-Landesvorsitzenden Dr. Thomas Fischbach (Nordrhein) und Dr. Burkhard Lawrenz (Westfalen-Lippe) sowie die Vertreter des Verbandes Leitender Kinder- und Jugendärzte und Kinderchirurgen, Dr. Hubert Gerleve und Prof. Wolfgang Kölfen, deutlich.

 

 

Die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte übernehmen fast überall in NRW die Notfallversorgung von Kindern- und Jugendlichen am Abend, am Wochenende und an Feiertagen, die Kinderkliniken übernehmen die Versorgung in der Nacht.

"Diese Art der Arbeitsteilung bringt Vorteile für beide Seiten. Die Kinderkliniken können tagsüber in Ruhe die stationären Patienten versorgen, ohne sich um Notfallpatienten kümmern zu müssen. Nachts übernehmen dann die Kliniken die Notfallversorgung. Die niedergelassenen Kinder- und Jugendärzte  bleiben nachts zu Hause und sind für ihre Praxis am Folgetag fit," so Dr. Hubert Gerleve. Doch nun bedroht eine neue Honorarordnung den Fortbestand dieser funktionierenden Versorgung.

Dr. Thomas Fischbach: "Seit dem 1. Januar sind die Fallpauschalen von 26 Euro auf 13 Euro (Mittwoch- und Freitagnachmittag) bzw. 20 Euro (nachts und am Wochenende) gesunken. Das bedeutet einen Honorarverlust von über 30 Prozent für die Kinder- und Jugendärzte."

Dr. Burkhard Lawrenz: "Wir fühlen uns verantwortlich für unsere Patienten. Deshalb bieten wir den Notdienst an, obwohl er eine hohe Belastung für uns Pädiater darstellt. Schon heute haben die wenigen Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte in NRW viel häufiger Bereitschaftsdienst als die Erwachsenenmediziner. Und in diesen Diensten versorgen wir viel mehr Patienten als die Erwachsenenmediziner. Wegen der drastischen Honorarkürzung wollen viele Kinder- und Jugendärzte diese Belastung nun nicht mehr auf sich nehmen; manche Ältere lassen sich befreien, manche Jüngere versuchen, in den Allgemeinen Bereitschaftsdienst zu wechseln, wo sie viel seltener eingeteilt werden. Wenn dann in einzelnen Bezirken nicht mehr genügend Kinder- und Jugendärzte für den kinder- und jugendärztlichen Notdienst bleiben, lässt er sich dort nicht mehr aufrecht erhalten. Das Netz der kinder- und jugendärztlichen Bereitschaftsdienste bekommt Löcher."

Prof. Wolfgang Koelfen: "Das Versorgungsdefizit für kranke Kinder außerhalb der regulären Sprechzeiten ist heute schon abzusehen. Viele Erwachsenenmediziner haben kaum Erfahrung mit Kindern und Jugendlichen. Unnötige Antibiotikatherapien und unnötige Klinikeinweisungen werden die Folge sein. Schlimmer noch sind Fehleinschätzungen und das Übersehen ernsthafter Erkrankungen wegen fehlender Erfahrung. Wo es Kinderkliniken gibt, werden diese überlaufen von hilfesuchenden Eltern. Als leitender Arzt einer Kinderklinik kann ich vor diesem Szenario nur warnen. Wir und die anderen Kinderkliniken sind weder strukturell noch personell in der Lage, die vielen Patienten zu versorgen, die dann zu uns kommen."

Krankenkassen und Politik müssen nun alles daran setzen, den Fortbestand des kinder- und jugendärztlichen Notdienstes zu sichern, forderten die Ärztevertreter. Dr. Thomas Fischbach: "Die Krankenkassen müssen das Honorar schnellstmöglich wieder zumindest auf die Höhe vor der Kürzung anheben, um die gewohnt gute Notfallversorgung der Kinder und Jugendlichen in NRW aufrecht zu erhalten. Anderenfalls werden Eltern demnächst an Wochenenden und nachts Schwierigkeiten haben, Hilfe für ihre akut kranken Kinder zu bekommen."

Artikel entnommen aus Kinderärzte-im Netz.de/aktuelles